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Familienverband PERTZSCH
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Namenforschung zum Familiennamen PERTZSCH

Die Herkunft des Namens PERTZSCH

In früheren Zeiten waren nur die christlichen Taufnamen, also Vornamen (oder zufällige Beinamen) gebräuchlich. Diesen wurde dann der Name der Besitzung mit dem Zusatz "von/aus", oder auch das lateinische "de" oder das polnische "z" hinzugefügt.

Im frühen (11) Mittelalter entstand in den deutschen Staaten die Zweinamigkeit, woraus später der Nachname oder Familienname entstand. "Nach 1350 war Zweinamigkeit in den Städten so üblich, dass das Fehlen eines Beinamens selbst zum Beinamen werden konnte: Heinrich ane czunamen 'Heinrich ohne Beinamen', Dokumentiert 1361 in Breslau." (1)

Ein Familienname entstand dadurch, dass ein Beiname auf die Nachfahren vererbt wurde. Im historischen Gebiet der Sorben war dieser Prozess ungefähr gegen Ende des 15. Jahrhunderts abgeschlossen. In den deutschen Landesgebieten dauerte dieser Prozess bis ins 19. Jahrhundert.

Einige Daten, bis zu welchem Jahr der Prozess in einigen Gegenden gedauert hat:

  • 1556 in Frankreich ergeht der Erlass zur Unterbindung des Namenswechsels.
  • 1677 in Bayern ergeht der Erlass zur Unterbindung des Namenswechsels.
  • 1771 in Dänemark ergeht der Erlass zur Unterbindung des Namenswechsels.
  • 1776 in Österreich ergeht der Erlass zur Unterbindung des Namenswechsels.
  • 1787 in Österreich ergeht der Erlass zur Führung eines festen Familiennamens.
  • 1807 in Frankfurt am Main ergeht der Erlass zur Führung eines festen Familiennamens.
  • 1808 in Frankreich und Hessen-Darmstadt ergeht der Erlass zur Führung eines festen Familiennamens.
  • 1809 in Baden ergeht der Erlass zur Führung eines festen Familiennamens.
  • 1811 Kaiser Napoleon schreibt den Ostfriesen die Führung eines Familiennamen vor.
  • 1812 in Preußen ergeht der Erlass zur Führung eines festen Familiennamens.
  • 1813 in Bayern ergeht der Erlass zur Führung eines festen Familiennamens.
  • 1816 in Kurhessen ergeht der Erlass zur Führung eines festen Familiennamens.
  • 1822 in Anhalt ergeht der Erlass zur Führung eines festen Familiennamens.
  • 1823 in Sachsen - Weimar ergeht der Erlass zur Führung eines festen Familiennamens.
  • 1826 die hannoversche Regierung ordnet für Ostfriesland die Aufstellung von Familiennamenlisten an.
  • 1828 in Württemberg ergeht der Erlass zur Führung eines festen Familiennamens.
  • 1828 in Westfalen verfügt der Oberpräsident, daß Hofbesitzer ihrem Familiennamen nicht durch den Hofnamen ersetzen, sondern diesen nur zufügen dürfen.
  • 1834 in Kur-Sachsen ergeht der Erlass zur Führung eines festen Familiennamens.
  • 1874 Mit der Einführung der Standesämter ist der Prozess der Entstehung der Familiennamen in Deutschland abgeschlossen.

Man geht von 5 Quellen für Familiennamen aus: (2)

  • Patronyme, -nymika; Vaternamen, Personen wurden nach dem Rufnamen ihres Vaters benannt. Aus Hans Peter wurde Hans Peters(sohn), Karl Friedrichs(sohn).
  • Herkunftsnamen, zugezogene wurden nach ihrem Herkunftsort benannt. Aus einem Menschen mit ungarischer Herkunft stammt der Name Unger, auch Böhm, Böhme oder Böhmecke sind so entstanden.
  • Wohnstättennamen, Einheimische wurden oft nach der Stätte benannt, an der sie wohnten, wie zum Beispiel Dorer, der am Tor wohnte oder Berg, der der am/auf dem Berg wohnte, oder zB. Althaus.
  • Berufsnamen, Personen wurden nach ihrer gesellschaftlichen Stellung benannt, besonders nach Stand und Beruf: Silcher, der Fleischräucherer, bei Müller, Schmidt und Wagner ist es wohl sehr eindeutig.
  • Übernamen, der Träger solcher Namen wurde nach charakterlichen- oder körperlichen (biographischen) Merkmalen benannt: Lange, der Lange; Dörre der Dürre, aber auch Kracke, der ein verbrauchtes Pferd hatte stammt aus dieser Gruppe der Quellen für Familiennamen.

Betrachtet man die Zeitliche Verteilung der Entstehung der einzelnen Gruppen von Familienname, fällt vor allem auf, wie hoch anfangs in vielen Städten der Anteil der Herkunftsnamen war.

Meine erste Arbeitsthese kann ich mittlerweile widerlegen. Der Name PERTZSCH stammt mit Sicherheit aus der Gruppe der Familiennamen, die aus Rufnamen (Patronymika) entstanden sind. Das Suffix TZSCH deutet auf sorbischen Ursprungs mit der Endung sc oder sz hin. (Darauf deutet auch die Namenshäufung in Gebieten die früher einmal von Sorben und Slawen besiedelt waren).

Zur Entstehung des Namens PERTZSCH finden sich in der einschlägigen Literatur verschiedene Theorien, die alle eines nicht berücksichtigen, nämlich die Urkundliche Erwähnung von 'Agnes von PERTZSCH' (also Agnes aus dem Ort PERTZSCH) im Jahre 1378 (3). Dieser Ort heißt heute Pehritzsch (4) und liegt südwestlich von Eilenburg im Landkreis Delitzsch im Bundesland Sachsen.

Nach Max Gottschald (5), könnte der Name aus Bär => Bercht (althoch-deutsch aus 'beraht', steht für hell, glänzend, auch Berühmt, siehe auch engl. bright = hell) oder aus dem polnischen Perz = Quecke => Perzo => Pertz entstanden sein. Diese Theorie gefällt mir aber am wenigsten, da der Herr Gottschald auch nur von der Schreibweise ohne 'TZ' ausgeht. In seinen Werk findet sich nur Pertsch oder aber Pertz, aber nicht die Schreibweise PERTZSCH, außerdem finden sich keine plausiblen Hinweise auf die Wandlung des Namens.

Eine weitere Theorie finden wir in dem 'Etymologischen Wörterbuch der Deutschen Familiennamen' (6). Hier finden wir den Versuch über den Rufnamen Petrus ein Abwandlung zu PERTZSCH herzustellen, die allerdings auch nicht überzeugt. Allerdings wird hier deutlich warum Gottschald von dem Namen Bär als Ursprung ausgeht: Für Bär sagte man früher auch 'Meister Petz'. Dafür spricht, dass das von mir als Namens-Ursprunggebiet angesehene Gebiet damals sehr starken Bestand an Bären gehabt haben muß, das wiederum wird durch einen Auszug aus der Chronik von Torgau belegt, die von einem Bärenfang im Burggraben im Jahre 1425 berichtet.

Zwar hört sich diese Theorie für mein genealogisches Forscherherz sehr schön an, vermittelt sie doch den Eindruck, es bestünde eine Verwandtschaft zu Albrecht dem Bären, auch haben, im Gebiet von Schweinitz an der Schwarzen Elster, nachweislich Pertsch gelebt, aber mir fehlt das 'TZ'. Und das obwohl ich mir die größte Mühe gemacht habe und die Handschrift auf dem Kaufcontract so schlecht ist, das ein 'Z' sowohl vor dem 'T' als an anderer Stelle auch nach dem 'T' interpretierbar wäre. Trotzdem überzeugt mich auch diese Theorie nicht so recht.

Es wäre noch zu erwähnen, dass wir in diesem Werk einen Hinweis auf die Schreibweise bzw. den Namen Pretzsch (Namensgeber von den Orten Pretzsch und Pretzschendorf), hier allerdings die Ableitungen Pretzsch => Pretscher => Prätsch => Pretschker und ein Hinweis auf einen 1538 dokumentierten Fund in Merseburg: Paul Pretzschner, finden.

Eine dritte Theorie, und das ist für mich die plausibelste, finden wir in dem dreibändigem Werk von Walter Wenzel, Studien zu sorbischen Personennamen (7). Wenzel beschäftigte sich hierin, im Rahmen seiner slawistischen Grundlagenforschung, mit der sorbischen Anthroponomastik, sein Werk beinhaltet Ruf-, Vor-, Bei-, Hof- und Familiennamen aus Quellen des 14. - 18. Jahrhunderts. So weist Wenzel erstmals plausibel die Entstehung der im deutschen eher untypischen Schreibweise mit 'TZSCH' nach. Dieser sekundäre, nicht sorbische Suffix findet sich hauptsächlich im Gebiet der frühen Niederlausitz, eingegrenzt zwischen der Saale im Westen und der Schwarzen Elster im Osten, im Norden bis zur Lutherstadt Wittenberg reichend und erstreckt sich im Süden bis kurz unterhalb von Leipzig. Die heutige Verbreitung der sorbischen Sprache entspricht bei weitem nicht dem historischen Verbreitungsbild, das läßt sich anhand von Ortsnamen, mit sorbischem Ursprung, nachweisen. Golm, das heutige Landsberg bei Delitzsch, Delc, das heutige Delitzsch und auch der Name von Groitzschen sind solche Zeugnisse, sorbischer Siedlungsgeschichte.

Eine ganze Reihe von Orten mit dem Suffix 'TZSCH' finden sich nur in diesem Gebiet, (Siehe hierzu auch [Das Ergebnis]) einem Gebiet, in dem in der jüngeren Steinzeit (4000-2000 v. Chr.) erste Siedler, indo-germanischer Abstammung lebten. Nachweislich zu Beginn der christlichen Zeitrechnung, noch vor den Germanen, haben hier die Hermunduren von Weide-, Fisch- und Jagdfund gelebt. Sie wanderten nach dem Niedergang der Kerusker, wahrscheinlich im 5. Jahrhundert, weiter nach Thüringen (8).

In den Jahren zwischen 500 und 600 nach Christus nahmen die slawischen Volksstämme das nun verlassene Gebiet zwischen Elbe und Saale ein. Hierbei handelte es sich vorwiegend um westsorbische Stämme, wie die Daleminzer, die im 6. Jahrhundert die Niederlausitz besiedelten, sie errichteten in den Elbauen ihre typischen, durch einen Ringwall gesicherten Burgen, die alle Hochwasser von Elbe und Schwarzer Elster überragten. Bei Ausgrabungen in Eilenburg und anderen Städten zwischen Torgau und Leipzig, fand man in solchen Burgen Waffen, Werkzeuge und Urnen verschiedenen Alters (9).

Im 8. Jahrhundert schob das Frankenreich seine Grenzen bis an die Elbe und Saale vor und richtete seine Kriegszüge (Kreuzzüge) gegen die Stämme der Slawen. Als im 10. Jahrhundert der deutsche Staat entstand, fand dessen herrschende Klasse östlich von Elbe und Saale ein Expansionsfeld, dessen Unterwerfung sie über Jahrhunderte betrieb. (983 Erster Aufstand der Slawen; 1066 zweiter Aufstand der Slawen). Bis zum 12. Jahrhundert (Wenden-Kreuzzug im Jahre 1147) waren es deutsche Feudalherren und feudale Heere, die erobernd und plündernd in die Siedlungsgebiete slawischer Stämme einbrachen und von diesen auch in erbitterten Abwehrkämpfen zurückgeschlagen wurden. Lediglich die elbnahen Gebiete und die Lausitz wurden unterworfen (10).

Wenzel (7) weist in seinem Werk Quellen nach, die belegen wie aus den sorbischen Rufnamen deutsche Namen mit der Endung 'TZSCH' entstanden. So wurde zum Beispiel aus dem Rufnamen Morš in einer Quelle von 1532 in Nauwalde der Name Mortzsch, aus Penc wird 1509 in Muskau (heute Bad Muskau) bei Weisswasser der Name Pentsch, der in der selben Stadt im Jahre 1534 in der Schreibweise Pentzsch auftaucht. Aus Peš wird 1516 in einer Quelle aus Elsterwerda Petzsch und aus Bertš in einer Quelle in Schönbach 1580 der assimilierte Name Bertzsch.

Somit können wir festhalten, der Name PERTZSCH ist mit großer wahrscheinlichkeit slawischen / westsorbischen Ursprungs, er ist im späten 14. Jahrhundert aus einem sorbischen Ortsnamen während der Assimilierung der Sorben, entstanden und sein Ursprungsgebiet liegt in der Niederlausitz, die sich zu damaliger Zeit bis zur Saale erstreckte. Auch wenn es heute Namensvorkommen in verschiedenen Orten in Süddeutschland, in Bremen, im Sauerland und in Nordamerika gibt, so ist doch wohl der Ursprung in der Stadt PERTZSCH (heute PEHRITZSCH) zu suchen.

Früher wurden Nachnamen von den Pastoren und Beamten nach Gehör geschrieben. Eine feste Rechtschreibung gab es nicht oder sie war nicht wichtig bzw. wurde nicht eingehalten. Im Laufe meiner genealogischen Forschungen habe ich schon die unterschiedlichsten Schreibweisen meines Familiennamens gefunden. Folgende Namen sind daher mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit identischer Abstammung:
PERTZSCH, Pertsch, Perzsch, Pärtzsch, Pärtsch, Pärtc(sch)
Es liegt sogar im Bereich des Möglichen, das der Name Pretzsch nur Aufgrund eines Buchstabendrehers entstanden ist.

© Michael PERTZSCH, 07. Januar 2002
© Michael PERTZSCH, 10. April 2011, 2. überarbeitete Fassung.

Auch hier wird es weitere neue Informationen geben. Also: Schauen sie mal wieder rein.

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